Lampenfieber? Hier sind 6 Tipps, die wirklich helfen

Noch eine Nacht, bis es soweit ist…noch weni­ge Stunden…noch eine Stunde…noch 15 Minuten…Herzrasen…nasse, kal­te Hände…Schweißausbrüche…zittern. Kommt dir das bekannt vor? Vie­le Men­schen lei­den unter Lam­pen­fie­ber und Ner­vo­si­tät vor wich­ti­gen Auf­trit­ten. Wir haben 5 Tipps für dich, die wirk­lich helfen!

Von Men­schen, denen man sich anver­traut, erhält man meist Rat­schlä­ge wie:

  • Das ist doch nicht so schlimm, mach dich nicht verrückt…”
  • Du kannst es sehr gut, es wird nichts passieren.”
  • Die ande­ren sind auch nicht besser.”

Aber mal ernst­haft — haben sol­che Rat­schlä­ge jemals zu einer Ver­bes­se­rung der Situa­ti­on geführt? 

Ich den­ke nicht. Und das hat einen ganz bestimm­ten Grund: Rat­schlä­ge die­ser Art unter­stel­len unbe­wusst, dass Ner­vo­si­tät eine ratio­na­le Ursa­che hat, wie z.B., dass man Angst davor hat,

  • sich zu verspielen,
  • schlecht dazu­ste­hen
  • sich zu blamieren
  • usw.

und dass man durch sol­che Rat­schlä­ge den Betrof­fe­nen irgend­wie davon über­zeu­gen kann, dass dem nicht so ist.

Mei­ne Erfah­rung ist jedoch, dass Ner­vo­si­tät oft „ein­fach so” auf­taucht (sie kann natür­lich auch begrün­det sein, s.u.) und die dadurch ent­ste­hen­den Gedan­ken eher eine Fol­ge der Ner­vo­si­tät sind als ihre Ursache.

Ist das der Fall, dann kann man lan­ge an den durch die Ner­vo­si­tät auf­kom­men­den Gedan­ken arbei­ten — das Gehirn wird sich als Ant­wort immer neue „Ja, aber…”-Antworten auf alle gut gemein­ten Rat­schlä­ge ausdenken.

6 Tipps, die wirklich helfen!

Die fol­gen­den Tipps habe ich selbst aus­pro­biert und auch betrof­fe­nen Freun­den emp­foh­len. Bis­her waren die Rück­mel­dun­gen durch­weg positiv. 

Doch pro­bie­ren geht über stu­die­ren — pro­bie­re es selbst aus und ich bin mir sicher, dass auch du deut­li­che Ver­bes­se­run­gen bemer­ken wirst.
 
 

Trei­be leich­ten Sport

Und bewe­ge dich (auch vor Auf­trit­ten), um den Adre­na­lin­spie­gel zu senken.

(Ver­mei­de aus dem­sel­ben Grund kof­fe­in­hal­ti­ge Geträn­ke wie Cola, Kaf­fee oder schwar­zen Tee vor dem Auf­tritt, die­se den Adre­na­lin­spie­gel anregen!)

Medi­tie­re öfter

Vor allem, wenn du dich inner­lich unru­hig fühlst. Schrei­be stö­ren­de Gedan­ken auf — schrei­be sie wirk­lich auf.

Medi­tie­re aller­dings nicht auf den letz­ten Drü­cker, oder wenn du eigent­lich schon auf dem Sprung bist — es bringt dann meist eh nichts, in die­sem Fall gehe lie­ber frü­her los, um noch pünkt­lich dazu sein und die Ner­vo­si­tät nicht noch zusätz­lich anzustacheln.

Erschei­ne 30 Minu­ten vor­her am Zielort

So hast du genug Zeit um run­ter­zu­kom­men – und um dich auf die Umge­bung einzustellen.

Akzep­tie­re die Nervosität

Das ist das Aller­wich­tigs­te. Man kann sie so oder so nicht weg­re­den. Wenn man sie jedoch zu über­spie­len oder zu über-denken ver­sucht, wird sich die Auf­re­gung im Gegen­teil noch wei­ter verstärken! 

Mach dir klar, dass sie da sein darf, sie ist „dein Freund”. Wenn man sich das klar macht, merkt man bald, dass sie nicht mehr so stark ist. 

Das Pro­blem ist nicht die Ner­vo­si­tät selbst, son­dern der zusätz­li­che Wider­stand gegen die­se, was zusätz­li­chen Stress erzeugt, wenn nicht sogar den größ­ten Teil.

For­de­re sie heraus

Letzt­end­lich ist alles auch eine Gewöh­nungs­sa­che. Spie­le so oft wie mög­lich vor und ver­set­ze dich häu­fig in Situa­tio­nen, die dich ner­vös machen. Leg’ dich auf den Boden und spie­le die ner­vös machen­de Situa­tio­ne im Kopf durch. 

Indem du sie aus einer grö­ße­ren Ent­fer­nung betrach­test, ver­liert sie auch wenn es soweit ist einen Groß­teil des Schre­ckens. Bald wirst du damit klar­kom­men — und die ehe­mals gefürch­te­ten Situa­tio­nen wer­den anfan­gen Freu­de zu machen!

(Man­chen hilft es auch, sich wäh­rend des Auf­tritts vor­zu­stel­len, sie wür­den nur einem Freund/einer Freun­din vor­spie­len. Und wirk­lich — man schaut ja ohne­hin nur auf die Kla­via­tur, wer da alles sitzt, sehen wir ja nicht, wir „wis­sen” es nur und das Wis­sen dar­um, nicht wirk­lich das „Dasein” der Leu­te, macht uns haupt­säch­lich nervös.)

Atme

Wie der Volks­mund schon sagt: „Erst­mal tief durch­at­men!” Denn wenn wir ner­vös sind, atmen wir schnel­ler und fla­cher. Umge­kehrt kann ruhi­ge Bau­ch­at­mung die Ner­vo­si­tät lindern. 

Atme lang­sam und tief „in den Bauch” ein (durch die Nase) und atme dann lang­sam und lang wie­der aus (am bes­ten dop­pelt solan­ge, wie du ein­ge­at­met hast). Wäh­rend du kon­trol­liert aus­at­mest, geschieht das ein­at­men von alleine. 

Wenn du lan­ge genug aus­at­mest, ent­steht am Ende eine klei­ne Atem­pau­se und danach erfolgt reflex­ar­tig das Ein­at­men — du atmest nicht aktiv ein. Um zu prü­fen, ob du wirk­lich „in den Bauch” hin­ein atmest, kannst du eine Hand auf dei­nen Bauch legen und spü­ren, wie er sich hebt und senkt.

Mache 5 – 10 sol­cher Atem­zü­ge, bis du wie­der merk­lich ruhi­ger wirst.


 

Manch­mal hilft ein Blick auf ande­re Küns­te — stell dir einen Tän­zer vor, der schon im „Sta­te” die Büh­ne betritt. Die Kör­per­span­nung ist da, der Gesichts­aus­druck — er „ist” schon der Tanz, wenn er nur den gro­ßen Zeh auf die Büh­ne setzt. Wenn jemand mit so einer Prä­senz vor dir steht, lehnst du dich als Zuschau­er auto­ma­tisch zurück — du weißt intui­tiv, dass du einen Pro­fi vor dir hast (auch wenn das viel­leicht gar nicht stimmt!).

Das­sel­be gilt für z.B. Come­di­ans — auch sie müs­sen schon hin­ter dem Vor­hang in ihrer Rol­le sein und mit gera­dem Blick dem Publi­kum „ins Gesicht sehen”. Stell dir vor, wie es wäre, wenn das nicht der Fall wäre. Der Come­di­an kommt schüch­tern auf die Büh­ne, scheut den Blick ins Publi­kum, Guckt viel­leicht noch, ob das Mikro läuft…und die Zuschau­er warten…

Er hat es ver­säumt, die Men­schen von der ers­ten Sekun­de an „mit­zu­neh­men”, für sich ein­zu­neh­men. Wenn wir näm­lich auf jeman­des Sei­te sind — dann sehen wir über klei­ne Miss­ge­schi­cke wohl­wol­lend hin­weg. Sind wir hin­ge­gen von Anfang an skep­tisch — dann fin­den wir an einer noch so guten Per­for­mance irgend­et­was auszusetzen.

Auch du soll­test alle Zwei­fel und Gedan­ken los­las­sen, sobald du auf der Büh­ne stehst.

Stell dir vor der die Nacht vor dem Auf­tritt men­tal vor, wie du die Men­schen emo­tio­nal mit dei­ner Musik berührst! 

Du hast dich gut vor­be­rei­tet, du hast etwas zu „sagen”, du „willst” vor­spie­len (sonst wärst du nicht dort). 

Das ist das Wich­tigs­te: ver­ges­se nicht, war­um du dort sitzt — um Men­schen eine Freu­de zu machen! Um sie emo­tio­nal zu berühren! 

Und das kannst du nur, wenn du loslässt.

Ich weiß, unser gan­zes Leben arbei­ten wir dar­auf hin, mög­lichst jeden noch so klei­nen Aspekt unse­res Lebens, Den­kens und Seins zu kon­trol­lie­ren.

Doch die­se Ver­bis­sen­heit, die­ses Wol­len, die­ses Fest­hal­ten blo­ckiert uns.

Und Musik ist etwas Leben­di­ges. Sie fließt dahin wie ein Fluss, sie pul­siert, sie ist regel­mä­ßi­ge, ste­ti­ge Bewe­bung wie der Atem. 

Dar­um erlau­be dir loszulassen. 

Lebe” das Stück, „sei” die Musik, las­se jeg­li­che Kon­trol­le los und sei ein­fach authen­tisch Du selbst. Natür­lich kön­nen sich dann klei­ne Feh­ler ein­schlei­chen — aber sie wer­den wirk­lich nie­man­dem auf­fal­len, wenn sie ergrif­fen von dei­ner Prä­senz und der Musik sind.

Musik muss nicht ste­ril und per­fekt sein. Nie­mand wür­de einem Robo­ter zuhö­ren. Die Natur ist nicht per­fekt — dass macht ihre Schön­heit aus. Alles, was zu per­fekt ist, zu eben­mä­ßig, zu glatt ist künst­lich, unle­ben­dig — tot.

Gehe auf die Büh­ne und feie­re mit dei­ner Musik das Leben, die Bewe­gung, die Ver­än­de­rung, den Wan­del, das Ungleich­för­mi­ge, das Schöne.

Also ver­traue dir, sei die Musik und las­se die Men­schen für einen Moment Raum und Zeit vergessen. 

Gute Vorbereitung ist das A und O

Alle Tipps set­zen vor­aus, dass du das Stück sorg­fäl­tig geübt hast und es zu Hau­se bereits meh­re­re Male feh­ler­frei gespielt hast.

Ansons­ten sind die Tipps zwar hilf­reich, aber die Ursa­che der Ner­vo­si­tät nicht beho­ben. Denn in die­sem Fall hat die Vor­spiel­angst tat­säch­lich eine Ursache:
die schlech­te Vor­be­rei­tung.

In die­sem Sinne:

Jetzt bist du gefragt!

Wel­che Mit­tel, Metho­den und Tricks fin­dest du beson­ders hilf­reich beim Umgang mit Nervosität?

Wir freu­en uns auf dei­nen Kom­men­tar! 🙂

  • Margarita Gross | PianoTube
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