Hebe Dein Klavierspiel auf ein neues Level mit diesem einfachen Tipp

Hebe Dein Klavierspiel auf ein neues Level mit diesem einfachen Tipp | PianoTube

Ein kleiner, aber feiner Unterschied

  • Wodurch unter­schei­det sich ein guter Kla­vier­spie­ler von einem weni­ger guten? 
  • Wodurch unter­schei­det sich ein guter Pia­nist von einem ausgezeichneten? 

Stell’ dir vor:

Zwei Schü­ler spie­len das­sel­be Stück. 

Bei­de spie­len es feh­ler­frei und bei­de mit „Gefühl”.

Wäh­rend man dem ers­ten Schü­ler zuhört, lehnt man sich zurück und lässt sich von der Musik tragen.
Wäh­rend des Kla­vier­spiels des zwei­ten Schü­lers kann man sich jedoch nicht so recht kon­zen­trie­ren oder ertappt sich sogar dabei, wie man sich auf­rech­ter hin­setzt und „hofft”, dass er es „schafft”.

Obwohl der Vor­trag des zwei­ten Schü­lers feh­ler­los ist, ent­steht der Ein­druck, dass er irgend­wie „unsi­cher” ist.

Wor­an kann das liegen?

Bei aus­ge­bil­de­ten Pia­nis­ten könn­te man sehr vie­le Punk­te auf­zäh­len. Bei Schü­lern ist es etwas trans­pa­ren­ter. Hier könn­te die Ner­vo­si­tät eine Rol­le spie­len, das Selbst­be­wusst­sein, die Ein­stu­die­rungs­zeit, ob das Stück neu ist oder schon län­ger im Reper­toire usw. 

Doch die Varia­ble mit der größ­ten Aus­wir­kung auf die Per­for­mance, die alle ande­ren Aspek­te in den Hin­ter­grund tre­ten lässt, ist der Rhythmus.

Der Rhyth­mus.

Der ers­te Spie­ler hat das Stück von Anfang an mit Metro­nom geübt, alle rhyth­mi­schen Fein­hei­ten bewusst wahr­ge­nom­men und ver­stan­den, wäh­rend der zwei­te Spie­ler bei­spiels­wei­se bei schwe­ren Stel­len etwas lang­sa­mer wur­de und bei ein­fa­che­ren dazu neig­te zu beschleu­ni­gen. Er spiel­te ungerade.

Beeindrucken oder Mitreißen

Vie­le Schü­ler den­ken, wenn sie nur rich­tig schnell spie­len oder „irgend­wie” Haupt­sa­che ohne Feh­ler, dann neh­men sie die Zuhö­rer auto­ma­tisch für sich ein und beein­dru­cken alle.

Das mag sogar zutref­fend sein.

Beein­dru­cken ist das eine, das Ziel eines Musi­kers soll­te es jedoch immer sein, 

  • aus den Noten leben­di­ge Musik zu machen
  • und die Zuhö­rer mit­zu­rei­ßen, sie emo­tio­nal zu berühren.

Man wür­de beim Tan­zen ja auch nicht nur die cho­reo­gra­phier­ten Bewe­gun­gen kopie­ren und es mit dem Rhyth­mus nicht so genau neh­men. Egal wie viel Kör­per­span­nung, Aus­druck und Anmut ein Tän­zer hat — man nimmt ihm den Tanz nicht ab und kann sich beim Zuse­hen nicht dar­in ver­lie­ren und stau­nen, wenn der Tän­zer nicht punkt­ge­nau im Takt tanzt.

Ein ande­res Bei­spiel wäre das Spre­chen oder Vor­le­sen. Man kann jeman­dem nicht sehr lan­ge zuhö­ren und den Wor­ten und Geschich­ten lau­schen, wenn der Spre­cher „holp­rig” spricht oder beim Lesen Kom­mas, Semi­ko­lons, Denk­pau­sen und Punk­te igno­riert — egal wie enga­giert und vol­ler Hin­ga­be er etwas vorträgt.

Bei der Musik ist Rhyth­mus bzw. das genaue Aus­hal­ten von lan­gen und kur­zen Ton­dau­ern, nicht nur das Gefühl für, son­dern auch die genaue Umset­zung von Peri­oden und „Sinn­ab­schnit­ten” essenziell.

Dass man ein Stück schnell spie­len kann ist zwar schön und gut — aber „Mach­bar­keit” ist nun ein­mal kein ästhe­ti­sches Kriterium. 

Die Zuschau­er bewun­dern dann viel­leicht das tech­ni­sche Kön­nen, nicht aber die Fähig­keit „Musik” aus dem gegen­wär­ti­gen Moment her­aus zu erzeu­gen. Die Musik gerät dabei manch­mal sogar völ­lig in den Hin­ter­grund. Das ist vor allem dann ziem­lich scha­de, wenn man mona­te­lang an dem Stück gerabei­tet hat.

Schnel­ler ist nicht immer besser. 

Man kann die Zuhö­rer auch dann mit­rei­ßen, wenn man ein schnel­les Stück etwas lang­sa­mer spielt — dafür aber sau­ber und präzise:

Wie schnell Schna­bel auch immer spiel­te, die Musik kam ihm lang­sam vor, weil er in gro­ßen Ein­hei­ten dach­te;„1

über­haupt emp­fahl er bei schnel­len Pas­sa­gen immer: 

Lang­sam spie­len, schnell klin­gen” -
ein psy­cho­lo­gi­scher Trick mit erstaun­li­cher Wirkung. 

Der Geheimtipp: Das Üben mit Metronom

Wenn man Musik nach Metro­nom spielt, dann klingt es steif und nicht leben­dig.

Die­se Mei­nung höre ich lei­der viel zu häu­fig. Zum Teil stimmt es auch.
Und das Ziel ist auch kei­nes­wegs metronom-genau zu spie­len. Übt man aber immer ohne Metro­nom, vor allem am Anfang, dann 

  • Hat man oft gar kein oder ein fal­sches Bild von dem Stück.
  • Spielt man unge­ra­de - man beschleu­nigt oder ver­lang­samt unbe­wusst hier und dort.
  • Die Musik „fließt” nicht, die Bewe­gun­gen sind nicht akku­rat, son­dern schwam­mig.
  • Es dau­ert viel län­ger ein Stück zu ler­nen — weil man kein kla­res Bild von dem Stück hat und die Bewe­gun­gen ent­spre­chend vage sind.

Das Haus steht auf einem wacke­li­gen Fundament.

Das Fundament muss sitzen

Ein soli­des Fun­da­ment ist das A und O — auch in der Musik. Dar­um soll­test du dein Spiel regel­mä­ßig mit dem Metro­nom kontrollieren.

Nur so ist sicher­ge­stellt, dass du wirk­lich das Tem­po beherrschst und alle Ver­zö­ge­run­gen und Beschleu­ni­gun­gen gewollt sind (man spricht in die­sem Zusam­men­hang von „ago­gi­schen Frei­hei­ten”) — und nicht etwa Tem­po­schwan­kun­gen sind, die dadurch ent­ste­hen, dass man das Stück eben unge­nau und unsau­ber ein­ge­übt hat.

Und jetzt Du

Übst du auch mit Metro­nom oder hast du das bis­her nicht so wich­tig genommen? 

Wenn du unse­ren Tipp aus­pro­biert hast, dann schreib’ unten in die Kom­men­ta­re, wel­che Wir­kung es auf dein Spiel hatte! 

(Du kannst dich beim Spie­len auch mal auf­neh­men — dann hört man die Unter­schie­de noch viel genauer!)

  • Margarita Gross | PianoTube
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Quellen

  1. Wer­ner Sobotz­ik: Artur Schna­bel und die Grund­fra­gen musi­ka­li­scher Inter­pre­ta­ti­ons­pra­xis, 2006.
    Foto: © gslo­an — flickr cc by 2.0 (her­un­ter­ge­la­den am 25.03.2014 []

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