3 Tipps, wie man fehlerlos Klavier spielt

3 Tipps, wie man fehlerlos Klavier spielt | PianoTube

Wie spielt man fehlerlos Klavier?

Immer wie­der schlei­chen sie sich ein und über­ra­schen uns. Sie trei­ben uns umso mehr zur Ver­zweif­lung, je näher das Vor­spiel rückt und wenn es soweit ist, füh­len wir uns macht­los, wir sind ihm hilf­los aus­ge­lie­fert: dem Fehler.

Aber stimmt das? Sind Feh­ler wirk­lich so unbe­re­chen­bar? Müs­sen wir uns auf unser Glück ver­las­sen? Nut­zen die extra lan­gen Übe­sit­zun­gen bis zur Erschöp­fung etwas, kurz vor dem Stichtag? 

In die­sem Bei­trag gebe ich ein paar Tipps, wie man Feh­ler von Anfang an ver­mei­det und mit ihnen umgeht, wenn sie doch ein­mal vorkommen. 

Achtsamkeit ist das A und O

Jeder Feh­ler, den man macht, hin­ter­lässt eine Spur im Gehirn. Macht man einen Feh­ler unbe­darft immer wie­der, so wird die­se Spur im Gedächt­nis immer tiefer. 

Selbst wenn man die Stel­le irgend­wann ein­mal umlernt und rich­tig spielt, so ist die­ser Abdruck nicht etwa ver­schwun­den, son­dern wur­de nur durch die rich­ti­ge Ver­si­on „über­la­gert”.

Der Feh­ler wird mög­li­cher­wei­se immer mal wie­der her­vor­tre­ten, ins­be­son­de­re wenn man ner­vös ist — z.B. bei Vorspielen.

Dar­um ist der bes­te Weg, von Anfang an gar kei­ne Feh­ler zu machen.

Wie geht das?

Das ist leich­ter als man denkt! Fra­gen wir uns zunächst einmal:

Wann macht man Fehler?

Man macht Feh­ler, wenn die Auf­merk­sam­keit gespal­ten ist.

Das ist sie immer, wenn man ver­sucht, meh­re­re Din­ge gleich­zei­tig zu machen. 

In den letz­ten Jah­ren hat die Hirn­for­schung ver­mehrt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Mul­ti­tas­king unser Gehirn über­for­dert. Noch feh­ler­an­fäl­li­ger wird das Ergeb­nis, wenn wir kei­nes der Din­ge rich­tig beherrschen.

Das Spie­len mit bei­den Hän­den, wobei man jede Hand ein­zeln noch nicht beherrscht, ist nichts ande­res als der Ver­such, meh­re­re Din­ge gleich­zei­tig zu machen. 

Gestei­gert wird das Gan­ze noch, wenn man schnel­ler spielt, als man es kann. Nicht nur das Gehirn ist dann am Qual­men — auch die Feh­ler­quo­te nimmt dras­tisch zu. Wir soll­ten in unse­rem Eifer eins nie­mals vergessen:

Schon bei ein­fachs­ten Stü­cken wer­den bean­spru­chen wir unse­ren Intel­lekt (Begrei­fen), die Grob- und Fein­mo­to­rik (Grei­fen), die Emo­tio­nen (Ergrei­fen) und all unse­re Sinne. 

Wenn wir also mög­lichst von Anfang an kei­ne Feh­ler machen wol­len, dann müs­sen wir Schritt für Schritt dar­an gehen.

Schritt 1: Mit getrennten Händen üben

Es ist ein wenig so wie mit dem Auto­fah­ren — in den ers­ten Stun­den muss man sich so stark auf die Abläu­fe kon­zen­trie­ren, dass man sich nicht gleich­zei­tig unter­hal­ten kann. Spä­ter lau­fen die Bewe­gungs­ab­läu­fe auto­ma­tisch ab und wir kön­nen mit dem Bei­fah­rer leb­haf­te Dis­kus­sio­nen führen.

Beim Kla­vier­spie­len kon­zen­trie­ren wir uns in der Regel nicht auf bei­de Hän­de gleich­zei­tig, son­dern rich­ten unse­re Auf­merk­sam­keit mal auf die eine mal auf eine Hand, wäh­rend die jeweils ande­re Hand auto­ma­ti­siert wei­ter spielt.

Spielt man aber ein neu­es Stück gleich mit bei­den Hän­den, dann kann kei­ne Hand auto­ma­ti­siert spie­len. Über­haupt ist man noch mit dem Auf­su­chen der Töne beschäftigt. 

Folg­lich ist man nicht nur per­ma­nent ange­spannt, man kann auch nicht am Aus­druck der ein­zel­nen Stim­men arbei­ten, was nicht gera­de zur Musi­ka­li­tät des Ergeb­nis­ses beiträgt.

Man spielt also bei­de Hän­de „irgend­wie” und ver­sucht haupt­säch­lich „durch­zu­kom­men”.

Dar­um soll­te man immer erst jede Hand ein­zeln sorg­fäl­tig, rhyth­misch genau und musi­ka­lisch üben und erst, wenn jede Hand ihre Stim­me ein­zeln gut beherrscht, zum beid­hän­di­gen Üben übergehen.

Dabei ist es rat­sam auch die fol­gen­den Tipps zu beachten:

Schritt 2: langsam üben

Mit dem Kla­vier­spie­len ist es wie mit dem Lesen. 

Am Anfang lesen wir Buch­sta­be für Buch­sta­be — das dau­ert ent­spre­chend lan­ge und ist ent­spre­chend holp­rig. Das ist auch heu­te noch so, wenn wir ein neu­es Wort ler­nen. Ist es aber abge­spei­chert reicht ein kur­zer Blick dar­auf und wir erken­nen es wieder.

Unser Gehirn spei­chert näm­lich nicht ein­fach nur Wör­ter ab — es spei­chert das Aus­se­hen der Wör­ter als Bil­der ab.

Die meis­ten Men­schen kön­nen alltags- und umgangs­sprach­lich ver­fass­te Tex­te flüs­sig lesen und vor­le­sen. Legt man ihnen jedoch eine wis­sen­schaft­li­che Arbeit vor, müs­sen sie es erst ein paar Mal für sich lesen und sich mit den neu­en Wör­tern ver­traut machen.

Das­sel­be pas­siert beim Notenlesen. 

Beson­ders bei klas­si­scher Musik fin­det sich kaum zwei­mal das­sel­be Motiv (ein musi­ka­li­sches Motiv zieht sich meis­tens über ein bis zwei Tak­te und kann melo­disch, rhyth­misch oder har­mo­nisch geprägt sein) in ver­schie­de­nen Stü­cken. (Edit: natür­lich kommt ein Motiv in ein und dem­sel­ben Stück mehr­mals vor.)

Wir lesen also immer uns frem­de Noten und daher ist es sehr unwahr­schein­lich, dass wir sie von Anfang an „flüs­sig” lesen bzw. spie­len können. 

Beim Kla­vier üben ler­nen wir Schritt für Schritt nicht ein­zel­ne Buch­sta­ben bzw. Noten zu lesen, son­dern die Wör­ter bzw. Moti­ve, bestehend aus meh­re­ren Noten, auf einen Blick als Bil­der zu erkennen.

Haben wir das Bild erkannt — kön­nen wir es auf der Kla­via­tur auch umsetzen.

Spie­len wir aber schnel­ler als wir die Noten und Moti­ve erken­nen kön­nen — müs­sen unse­re Fin­ger impro­vi­sie­ren, um die Lücken zu fül­len. Oder wir lesen und spie­len etwas, was gar nicht in den Noten steht. 

In letz­te­rem Fall kann es sogar vor­kom­men, dass man ein Vor­zei­chen nicht mit­spielt oder hin­zu­dich­tet oder rhyth­misch etwas völ­lig falsch spielt, weil man sich beim zu schnel­len Durch­spie­len ein eige­nes Bild von dem Notier­ten gemacht hat, statt die Noten gründ­lich zu analysieren.

Ana­log dazu – unge­üb­te Leser
Unge­üb­te Leser erkennt man schnell dar­an, dass sie ein Wort sehen und ihm auf die Schnel­le ein fal­sches Bild zuord­nen, weil es auf den ers­ten Blick „so ähn­lich” aussah. 

Auch Kin­der ver­su­chen beim Vor­le­sen oft mal ihre Eltern aus­zu­trick­sen und statt die Wör­ter wirk­lich zu lesen, ver­meint­lich zu dem auf­grund der man­geln­den Lese­er­fah­rung noch unkla­ren Bild pas­sen­de Wör­ter ein­zu­fü­gen, vor allem, wenn sie die zu lesen­de Geschich­te schon ken­nen und unge­fähr wis­sen, was da steht.

Damit das nicht pas­siert, soll­te man 80% der Übe­zeit lang­sam üben. 

Durch lang­sa­mes Üben mit getrenn­ten Händen 

  • nimmt man jede ein­zel­ne Note bewusst wahr,
  • hat genug Zeit sie bewusst zu spie­len und
  • unter­bin­det von vorn­her­ein die Mög­lich­keit „aus Ver­se­hen” eine fal­sche Tas­te zu drücken.

Schritt 3: Mit Metronom üben

Mei­ne Leh­rer haben nie dar­auf bestan­den, dass ich mit dem Metro­nom übe. Nur kurz vor dem Vor­spiel, wenn das Tem­po zu stark „gewa­ckelt” hat, haben sie mich dar­auf hin­ge­wie­sen, es mal mit dem Metro­nom durchzuspielen. 

Ich hat­te meis­tens den Ein­druck, dass ich das Tem­po ganz gut hal­te und habe dar­um gene­rell nie mit dem Metro­nom geübt. 

Heu­te weiß ich, dass ich damit einen musi­ka­li­schen Grund­bau­stein ver­nach­läs­sigt habe. Musik besteht nun ein­mal aus Melo­die, Har­mo­nie und Rhyhtmus. 

Kom­po­nis­ten haben sich viel Mühe gemacht, so genau wie mög­lich zu notie­ren, wie sie ein Stück gespielt haben möch­ten, etwa wo man lang­sa­mer wer­den oder beschleu­ni­gen soll, wo Atem- und wo General-Pausen zu machen sind etc.

Natür­lich gehört es zur inter­pre­ta­to­ri­schen Frei­heit, eini­ge Anpas­sun­gen (man spricht von „ago­gi­schen Frei­hei­ten”) vor­zu­neh­men. Man kann ein und die­sel­be Geschich­te auf unter­schied­li­che Wei­sen vor­tra­gen — genau­so ist es mit der Musik. 

Die Kunst besteht dar­in, Indi­vi­dua­li­tät rein­zu­brin­gen, dabei jedoch gleich­zei­tig die Inten­ti­on des Kom­po­nis­ten durch­schei­nen zu las­sen (man spricht in die­sem Fall von Werk­treue).

Bevor man sich jedoch über den Vor­trag Gedan­ken macht, soll­te man erst die Fremd­wör­ter lesen ler­nen und sich alle Kom­mas, Semi­ko­lons, Dop­pel­punk­te und Punk­te bzw. Noten, Noten­wer­te, Dyna­mik, Arti­ku­la­ti­ons­zei­chen, Pau­sen, Phra­sie­rung, usw. bewusst machen, um sie über­haupt berück­sich­ti­gen zu können.

Unachtsamkeit: falsch gelesen — falsch gespielt

Vie­le Feh­ler schlei­chen sich ein, wenn man die Noten unsau­ber liest, weil man sich den Rhyth­mus nicht klar gemacht hat.

Wie beim zu schnel­len Spie­len rei­men wir uns etwas zusam­men und spie­len es, sodass es unge­fähr oder unse­rer Mei­nung nach passt. So spie­len vie­le Schü­ler z.B. Syn­ko­pen wie punk­tier­te Noten. 

Wenn man sol­che rhyth­misch schwie­ri­gen Stel­len nicht lang­sam und mit Metro­nom übt und dabei um Ver­ständ­nis bemüht ist, wird man noch bei den kom­ple­xes­ten Stü­cken immer wie­der an die­sen Stel­len stolpern.

Unkla­re Stel­len blei­ben auch im Gehirn nebu­lös und es kann nicht die rich­ti­gen Impul­se aus­sen­den. So bleibt die Stel­le immer ein poten­zi­el­ler oder offen­sicht­li­cher Stolperstein.

Das Metro­nom ist das ein­zi­ge Mit­tel, das uns hilft, rhyth­mi­sche Klar­heit zu erlangen. 

Nach mei­nen ers­ten Geh­ver­su­chen mit dem Metro­nom war ich sehr über­rascht, dass ich mich danach so viel siche­rer und frei­er beim Spie­len fühlte! 

Klar habe ich es beim Üben zunächst als sehr ein­engend emp­fun­den — das ist meist ein Zei­chen dafür, dass es zu schnell ein­ge­stellt ist und es war ein untrüg­li­ches Zei­chen dafür, dass ich kei­nes­wegs so rhyth­misch gespielt habe wie ich dachte!

In dem Bei­trag Hebe Dein Kla­vier­spiel auf ein neu­es Level mit die­sem ein­fa­chen Tipp nen­ne ich wei­te­re Vor­tei­le des Spie­lens mit dem Metronom.

Was, wenn doch ein Fehler passiert?

Obwohl man, wenn man die genann­ten Tipps beher­zigt, wahr­schein­lich viel weni­ger und sel­te­ner Feh­ler machen wird, lässt sich das natür­lich nicht immer vermeiden. 

Ein letz­ter wich­ti­ger Punkt ist dar­um, wie man mit Feh­lern umge­hen soll­te, wenn sie doch mal passieren.

Zunächst ein­mal soll­te man auf jeden Fall nicht ein­fach dar­über hin­weg spie­len (außer natür­lich man befin­det sich in einem Vor­spiel!), son­dern stattdessen:

  • gelas­sen inne­hal­ten und
  • schau­en, wo der Feh­ler war (Pro­blem loka­li­sie­ren),
  • war­um er pas­siert ist (ana­ly­sie­ren),
  • sich effek­ti­ve Lösungs­stra­te­gien über­le­gen (krea­ti­ve Übeme­tho­den),
  • sie anwen­den
  • und zum Schluss das Ergeb­nis sichern, indem man es mehr­mals hin­ter­ein­an­der lang­sam und feh­ler­frei durchspielt.

Mit Gelassenheit zum Ziel

Der Punkt „gelas­sen inne­hal­ten” ist dabei beson­ders wich­tig. All­zu oft gewöh­nen sich Schü­ler an, sich über einen gemach­ten Feh­ler zu ärgern oder sich zu „erschre­cken”.

Doch wie wir nun wis­sen, hin­ter­las­sen Emo­tio­nen beson­ders tie­fe Spu­ren im Gedächtnis:

Nega­ti­ve Emo­tio­nen gilt es dar­um unbe­dingt zu ver­mei­den. (Aller­dings gilt auch hier, sich nicht zu ärgern oder dafür zu ver­ur­tei­len, wenn man sich eben doch ärgert – auch das Nicht-Ärgern ist eine Fähig­keit, die man erst erler­nen muss!)

Tipp: Übe stets mit einer Ein­stel­lung, die Feh­ler gelas­sen zulässt, wenn sie passieren.

Da Feh­ler sich haupt­säch­lich bei unacht­sa­mem und nach­läs­si­gem Üben ein­fuch­sen, kannst du dei­ne Feh­ler­quo­te enorm sen­ken, indem du zu Beginn jeder Übe­sit­zung und eines jeden neu­en Stü­ckes lan­ge genug 

1.mit getrenn­ten Händen,
2.lang­sam und
3.mit dem Metro­nom übst.

Jetzt bist du gefragt!

Wie gehst du mit Feh­lern oder nega­ti­ven Emo­tio­nen beim Kla­vier­spie­len um? Konn­test du aus dem Bei­trag etwas für dich mitnehmen?

Tei­le mit uns dei­ne Erfah­run­gen in den Kommentaren! 🙂 

  • Margarita Gross | PianoTube
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Quellen

Klöp­pel, Rena­te: Die Kunst des Musi­zie­rens, Mainz 1997.

Foto: © Rolf Hand­ke / PIXELIO

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