Besser Klavierspielen — Übetipps 1 – 5

Übersicht

  1. Übe lang­sam
  2. Übe lei­se
  3. Übe mit getrenn­ten Händen
  4. Wie­der­hole klei­ne Abschnit­te, bis Du sie kannst
  5. Übe mit Zie­len, schaf­fe Ordnung!

1. Übe langsam

Übe vor allem zu Anfang stets lang­sam, damit Du kei­ne Feh­ler ein­übst. Ohne Feh­ler zu üben bedeu­tet, dass Du von der ers­ten Note an so lang­sam spielst, dass sich kein ein­zi­ger Feh­ler einschleicht. 

Spielst Du mal einen Feh­ler, und das nächs­te Mal nicht, dann hat das Gehirn schon 2 ver­schie­de­ne Inputs bekom­men. Da man Feh­ler nicht ger­ne macht und sich manch­mal dabei sogar ein wenig „erschreckt”, haf­tet die fal­sche Ver­si­on im Gehirn (durch die Ver­knüp­fung mit einer Emo­ti­on — erschre­cken) noch stär­ker als die fehlerfreie. 

Des­we­gen:

  • Wenn Feh­ler doch pas­sie­ren, lass sie zu, erschre­cke Dich nicht, son­dern hal­te kurz inne, den­ke nach war­um und wie der Feh­ler pas­siert ist und spie­le die Pas­sa­ge anschlie­ßend noch ein­mal — ohne den Fehler.
  • Übe zunächst mit getrenn­ten Hän­den, bis Du jede Hand ein­zeln feh­ler­frei und bequem spie­len kannst.
  • Übe erst danach mit bei­den Hän­den zusam­men — sehr lang­sam!
  • Wenn Du eine Unsi­cher­heit spürst vor der nächs­ten Note, dann hal­te kurz inne – und spie­le die fol­gen­de Note sehr bewusst.

Wenn Du auf die­se Wei­se übst, wirst Du das Stück auch viel schnel­ler aus­wen­dig spie­len kön­nen, weil Dein Gehirn immer den­sel­ben „Input” kriegt. 

Beim lang­sa­mem Üben soll­test Du auf ein Sache beson­ders ach­ten: nicht schnel­ler wer­den. Damit das nicht so schnell pas­siert und um sich an das sehr lang­sa­me Spie­len zu gewöh­nen ist es sinn­voll ein Metro­nom zu Hil­fe zu neh­men. Und merke:

2. Übe leise

Das lei­se Üben ist ein sehr ent­schei­de­ner Aspekt nicht nur für ein jeder­zeit ent­spann­tes Kla­vier­spiel, son­dern vor allem auch wenn es um den Auf­bau einer soli­den und fle­xi­blen Tech­nik geht. 

Wenn wir laut spie­len, sind vie­le Mus­keln aktiv, die eigent­lich gar nicht benö­tigt wer­den. Wir prä­gen auf die­se Wei­se ungüns­ti­ge neu­ro­mus­ku­lä­re Mus­ter ein, die ins­be­son­de­re das schnel­le Spie­len behindern. 

Beim schnel­len Spiel sind nicht Mus­keln gefragt und kei­ne bewuss­te Kon­trol­le, son­dern im Gegen­teil Los­las­sen und geschmei­di­ge, reflex­ges­tu­er­te Finger- und Hand­be­we­gun­gen.

Bewuss­tes Fin­ger­set­zen und ‑heben wäre hier viel zu lang­sam und inef­fi­zi­ent. Es ist so ähn­lich, wie wenn wir durch bewuss­tes Atmen oder Gehen plötz­lich schwan­ken und ersti­cken — der Kör­per weiß von Natur aus ein­fach bes­ser, wie das geht. So ist es auch beim Klavierspiel.


  • Lei­ses Üben ver­hin­dert mus­ku­kä­re Ver­span­nun­gen und bil­det damit die Grund­la­ge für ein höhe­res tech­ni­sches Niveau.
  • Es hilft auch dabei, Stel­len im Stück, bei denen man ver­krampft, wie­der aufzulockern.

3. Übe mit getrennten Händen

Übe immer zuerst mit getrenn­ten Hän­den. Am bes­ten stellst Du Dir Dei­ne Hän­de als zwei Tän­zer vor: jeder von ihnen muss erst sei­nen eige­nen Part stu­die­ren, bevor sie zusam­men tan­zen kön­nen. Wenn einer der bei­den hin­ge­gen sei­ne Schrit­te nicht kennt und immer­zu stol­pert, kann der ande­re Tän­zer den Auf­tritt auch nicht mehr ret­ten. Genau­so ist es mit den Händen:

Wenn eine Hand allei­ne nicht weiß was sie spie­len soll, dann wird sie es nach dem Üben mit bei­den Hän­den immer noch nicht wissen. 

Erst wenn Du die Stim­me jeder Hand ein­zeln sicher beherrschst, kannst Du dazu über­ge­hen, mit bei­den Hän­den zusam­men zu üben — am bes­ten takt­wei­se, damit sich kei­ne Feh­ler einschleichen. 

4. Wiederhole kleine Abschnitte, bis Du sie kannst

Spielst Du das Stück beim Üben von Anfang bis Ende durch, hast Du schon viel von Dei­ner Kon­zen­tra­ti­on ver­braucht, aber noch nichts gelernt.

Das Üben in klei­nen Abschnit­ten hin­ge­gen ist ein Garant dafür, ein Stück wirk­lich so schnell wie mög­lich zu ler­nen. Die in lang­sa­mem und lei­sem Spiel sau­ber gelern­ten klei­nen Abschnit­te kön­nen und sol­len dann zur Fes­ti­gung natür­lich wie­der­holt durch­ge­spielt werden.

Lern- und Gedächt­nis­for­scher wei­sen auf zwei wei­te­re Punk­te hin, die das Ler­nen beschleunigen:

  • Was man nicht wie­der­holt – bleibt auch nicht haften.
  • 8 Wie­der­ho­lun­gen zum Ein­prä­gen ein guter Wert sind.

Macht man weni­ger als 8 Wie­der­ho­lun­gen, bleibt das Gelern­te ent­spre­chend weni­ger haf­ten. Macht man mehr als 8 Wie­der­ho­lun­gen, kann es sogar scha­den, weil man sich nicht mehr so gut kon­zen­trie­ren kann und die Wie­der­ho­lun­gen in eine Art unbe­wuss­ten Auto­ma­tis­mus aus­ar­ten.

Dar­über hin­aus ist es äußerst wich­tig, dass die Abschnit­te nur so lang sind, wie man sie ohne Feh­ler zu machen spie­len kann (sie­he Punkt 1).

5. Übe mit Zielen, schaffe Ordnung!

Es ist nicht sehr effi­zi­ent ein­fach drauf­los zu üben. Effi­zi­ent üben heißt, auf ein Ziel hin zu üben bzw. die spe­zi­el­le Stel­le zu üben, die Pro­ble­me bereitet. 

Dazu muss man zual­ler­erst alle Stel­len aus­ma­chen, die nicht so gut klap­pen. Anschlie­ßend muss man ana­ly­sie­ren wor­an genau es hapert und dann kom­men wir zum wich­tigs­ten Punkt:

  • Unter­tei­le gro­ße Zie­le in Unter­zie­le.

Bei­spie­le für sol­che Zie­le wären: 

  • Heu­te übe ich die ers­ten 10 Tak­te der rech­ten Hand.
  • Heu­te übe ich die wei­ten Ent­fer­nun­gen zwi­schen den Noten in der lin­ken Hand sau­ber zu treffen.

Ich emp­feh­le mei­nen Schü­lern auch immer sich ein Übe­ta­ge­buch zuzu­le­gen, in das sie ihre Zie­le ein­tra­gen und nach jeder Sit­zung kon­trol­lie­ren können. 

Auf die­se Wei­se ist das Üben noch effi­zi­en­ter, weil man immer kon­kret an bestimm­ten Stel­len arbei­tet und kei­ne Zeit mit dem Durch­spie­len von Stel­len ver­geu­det, die man schon kann, nur weil man eigent­lich gar nicht weiß, was man üben soll.

Jetzt bist du gefragt!

Haben Dir die Tipps gefal­len? Hast Du den ein oder ande­ren viel­leicht schon selbst ausprobiert? 

Wenn ja, wie sind Dei­ne Erfahrungen?

Schreib uns Dei­ne Mei­nung und Erfah­run­gen in die Kom­men­ta­re! 🙂

  • Margarita Gross | PianoTube
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