6 Tipps, um den Kopf für’s Üben frei zu bekommen!

Wer kennt das nicht – man hat sich grade zum Üben ans Klavier gesetzt, fängt an zu üben… doch lauter Dinge schießen einem durch den Kopf und verhindern ein echtes Weiterkommen, innere Unruhe kommt auf – die Konzentration ist dahin.
Das ist im Übrigen nicht nur beim Üben, sondern auch im Alltag generell unangenehm, da man durch solch störende Gedanken nie im gegenwärtigen Augenblick ankommt und das Leben einfach unbeachtet an einem vorbeizieht.

Wenn Du das bemerkt hast, hast Du schon den ersten Schritt zur Besserung getan. Die anderen könnten so aussehen:

1. Aufschreiben

Die Voraussetzung für erfolgreiches Üben ist die ungeteilte Aufmerksamkeit auf die Musik.

Wenn die Gedanken einfach keine Ruhe geben wollen, dann hilft oft ein einfacher Trick:

Nimm Dir Zettel und Stift zur Hand und schreibe solange alles runter, was Dir in den Sinn kommt – bis nichts mehr kommt.

Durch das Notieren verlagerst Du die Gedanken aus Deinem Kopf aufs Papier.

Handelt es sich mal um einen besonders unangenehmen Gedanken – dann schreibe erst Recht alle Details auf. Anschließend kannst Du den Zettel zerreißen und wegwerfen (ist aber nur optional ;)). Jetzt sollte dem Üben nichts mehr im Weg stehen! Falls doch, so schreibe die neu aufkommenden Gedanken erneut auf und so weiter…

Am besten Du deponierst Zettel und Stift in der Nähe des Klaviers, damit Du es immer Griffbereit hast.

2. Meditieren

Wenn Du merkst, dass Du innerlich ziemlich unruhig bist und einfach nicht in der Stimmung zum Üben, dann kann ein wenig Meditation wahre Wunder wirken.

Lege Dich vor dem Üben für etwa 10 Minuten an einen stillen Ort (am besten mit Ohrstöpseln) hin.

Ich lege mich immmer auf den Boden auf meine Yoga-Matte. Ein harter Untergrund ist empfehlendwert, weil so die Hals- und Lendenwirbelsäule gestützt wird und Becken, Schultern und Kopf nicht einsinken. Damit der Kopf optimal aufliegt, empfiehlt es sich ein paar Bücher unter den Kopf zu legen – aber nur so viele, dass die Augen gerade auf die Decke gerichtet sind. In dieser Position ist die Hals- und Brustwirbelsäule auf einer Linie und Hals und Nacken werden unterstützt optimal unterstützt.

Beobachte nun aufkommende Gedanken, aber identifiziere Dich nicht mit Ihnen – lass sie sich selbst denken und wie Wolken an Dir vorbeiziehen.

Noch mehr Erfolg hast Du, wenn Du vor dem Meditieren alle aufkommenden Gedanken runterschreibst (wie in Tipp 1 beschrieben).

3. Kleine Abschnitte üben

Übst Du, indem Du das ganze Stück von Anfang bis Ende durchspielst, ist die Gefahr sehr hoch, dass Du abschweifst und automatisiert vom Blatt spielst. Oft passiert das sogar schon nach wenigen Takten, insbesondere dann, wenn das Stück nicht neu für Dich ist.

Wenn eine Stelle Dir als zu schwierig erscheint oder Du immer wieder mit den Gedanken abschweifst, liegt das meist daran, dass der gewählte Abschnitt zu groß ist.

Das wichtigste beim Üben ist Konzentration und Aufmerksamkeit.

Übe darum immer in kleinen Abschnitten! Das impliziert, dass die Stellen, die nicht klappen, vorher analysierst und genau feststellst, warum sie nicht klappt und woran genau dur arbeiten musst. Handelt es sich um eine größere Baustelle, dann solltest Du Teilziele festlegen.

Du kannst Abschnitte beliebig weit verkürzen – bis hin zu einer einzelnen Note.

4. Verschiedene Übemethoden

Wechsel zwischen verschiedenen Lern- und Übemethoden ab, sitze nicht tagelang an denselben Problemen und Stücken.

Immerzu auf dieselbe Weise an denselben Problemen zu sitzen ist nicht sehr effektiv, soll heißen: Du verschwendest viel Zeit, in der Du nichts lernst.

Welche Übemethoden Du anwenden kannst, beschreibe ich auf den folgenden Seiten: Besser Klavier spielen – Übetipps 6-10 und: Drei Auswendiglern-Methoden.

5. Kein Zwang

Zwinge Dich nicht niemals dazu, Stücke zu üben, auf die Du eigentlich gar keine Lust hast, nur weil diese „gut für Deine Technik“ oder ähnliches sein sollen. Oder aber, weil Du meinst, dass Du sonst schlechter wirst.

Wenn der innere Antrieb nicht vorhanden ist, wirst Du selbst leichte Stücke nur mit Mühe erlernen und für Deine Technik ist das auch nicht förderlich.

Falls Du das Stück wirklich für den Unterricht üben „musst“, dann sprich mit Deinem Lehrer darüber, ob er Dir nicht etwas anderes geben kann. Am besten schlägst Du ihm selbst was vor.

6. Schwere Stücke spielen

Im Gegenzug dazu vermeide keine schweren Stücke, die Du gerne lernen würdest, nur weil Du meinst (oder Dir gesagt wurde), sie seien „zu schwer“.

Bei schwierigen Stücken ist es leichter, konzentriert zu bleiben, da man sie unkonzentriert garnicht erst üben kann.

Schwere Stücke können darüber hinaus zu einem gewaltigen Lernschub führen. Und zwar selbst dann, wenn Du sie möglicherweise aufgrund tatsächlicher Hürden noch nicht bewältigen kannst!

Du kannst schwere Stücke immer mal wieder anspielen (natürlich sehr langsam und bewusst) und weglegen. Auf diese Weise wirst Du mit der Zeit in sie hineinwachsen.

Der Philosoph Seneca schrieb einst:

Jetzt bist du gefragt!

Hast Du Dich auch schon mal dabei erwischst, wie Du absichtlich in Gedanken auf Reisen gehst, während Deine Finger automatisch die Stücke/Übungen runternudeln?

Und hast Du Dir auch irgendwann mal gedacht – das kann’s nicht sein, oder? 😉

Schreib uns Deine Erfahrungen und Tipps in die Kommentare!

  • Margarita Gross | PianoTube

Wenn Dir der Beitrag gefallen hat, dann folge uns auf Facebook, füge uns Deinen Google+-Circles hinzu oder folge uns auf Twitter oder Pinterest.
Wir sind Dir für jede Unterstützung dankbar!

2 Kommentare

  1. Hi,
    wenn ich Schwie­rig­kei­ten ha­be an­zu­fan­gen, neh­me ich zwei oder drei Hanon-​Übungen und spie­le sie lang­sam und mit wech­seln­dem Rhyth­mus und hö­re ge­n­au zu. Dann re­du­ziert si­ch die Welt meist nach fünf Mi­nu­ten auf das Kla­vier und mi­ch. Wenn nicht oder wenn ich zwi­schen­durch mer­ke, dass mein Kopf nicht bei der Mu­sik ist, hör ich auf und den­ke, dass der Tag 24 Stun­den hat. Das pas­siert aber sehr sel­ten.
    LG
    Edith

  2. Hal­lo, sehr gu­ter Ar­ti­kel und ich er­ken­ne mi­ch an vie­len Stel­len wie­der.
    Mir hilft es, wenn ich Stü­cke ab und zu mit Me­tro­nom übe. Da­durch wer­den die zu schwe­ren Stel­len Rück­zugs auf­ge­deckt und man kann si­ch dar­auf kon­zen­trie­ren. Oh­ne Me­tro­nom pas­siert es mir hin­ge­gen oft, dass ich ein Stück von vorn bis hin­ten ge­dan­ken­ver­lo­ren durch­spie­le und im­mer wie­der über die glei­che Stel­len stol­pe­re (aber nichts da­ge­gen tue).

Schreibe einen Kommentar zu edith frank Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.