Klaviertechnik – Wege zu einer natürlichen Spielweise

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Die Klaviertechnik ist ein großes Thema beim Klavier spielen. Das spieltechnische Können ist das, was zwischen uns und den unendlichen Weiten der Musikwelt steht.

Entsprechend sind wir uns für keine Etüde oder Fingerübung zu schade, die uns Besserung auf diesem Gebiet verspricht. Doch halten die ganzen Etüden und Fingerübungen ihr Versprechen überhaupt?

Inhalt

Meine Geschichte

Ich habe früher oft die Zähne zusammengebissen und Etüden gespielt, bis weit über die Schmerzgrenze hinaus. Das Resultat waren jedoch keine phänomenalen technischen Meisterleistungen – sondern eine Sehnenscheidenentzündung.

Ich war 16 und die Aufnahmeprüfung als Jungstudent an der Musikhochschule stand vor der Tür.

Plötzlich konnte ich 2 Monate lang nicht spielen.

Als es wieder ging, blieb keine Zeit mehr meine Technik zu analysieren. Also übte ich wie zuvor, obwohl ich intuitiv wusste, dass es so nicht weitergehen konnte.

Nachdem die Aufnahmeprüfung bestanden war, habe ich mich zur nächsten Hochschulbibliothek begeben, alle Bücher mitgenommen, die es zum Thema Klaviertechnik und Übemethoden gab und sie ausgiebig studiert. Nur eine Frage beschäftigte mich:

„Gibt es nicht eine Möglichkeit ein guter Klavierspieler zu werden ohne ständig mit dem Kopf durch die Wand zu müssen?“

Die meisten Bücher waren enttäuschend. Die Anatomie, mechanische Gesetze oder physiologische Funktionszusammenhänge waren nicht Teil der Überlegungen. Man sollte dieses oder jenes auf diese oder jene Weise spielen – aber WARUM man es tun sollte, aus welchen Überlegungen heraus – das stand da nicht.

Meine Frage wurde nicht beantwortet. Also suchte ich weiter.

Bis ich auf das Buch Die Technik des Klavierspiels. Ein Handbuch für Pianisten von Rudolf Kratzert stieß.

Und siehe da: ich bekam endlich Antworten! Die Antwort war ein eindeutiges:

„Ja, es gibt eine Möglichkeit ein guter Klavierspieler zu werden ohne zu kämpfen.“

Da stand es schwarz auf weiß:

In anderen Worten: man spielt umso schlechter, je angestrengter man übt.

Wenn man etwas weiter denkt, bedeutet das, dass bereits die Art und Weise wie wir die ersten Noten eines Stückes spielen, darüber entscheidet, wie schwer oder leicht uns das Stück am Ende von den Fingern geht.

Wie ich früher gespielt habe – und wie Du nicht spielen solltest

Wie ist das zu verstehen?

Die Frage nach der „richtigen“ Technik stellt sich einem erst, wenn man eine Stelle einfach nicht hinbekommt. Das sind zum einen Stellen, wo man besonders schnell spielen muss, zum anderen sind es Sprünge oder Tremoli.

Früher habe ich solche Stellen so geübt, wie es die meisten Klavierspieler tun:

  1. Ich habe laut gespielt.
  2. Ich habe meine Finger sehr hochgehoben und sehr geführt gesetzt.
  3. Ich habe die Stelle mehrmals recht schnell wiederholt.

Das Hauptcharakteristikum war eine ein festes Handgelenk, das schnell ermüdete und ein insgesamt sehr angespannter Körper.

Die Folge davon war, dass ich, je länger und je schneller ich spielte, umso fester wurde und umso schlechter spielte.

Woran lag das?

Anton Ratsimar | PianoTube

Die alte Lehrmeinung basiert gleich auf mehreren Denkfehlern

Jahrhunderte lang vermuteten Klavierlehrer (die selbst mit Sicherheit zum Teil sehr gut Klavier spielen konnten, aber eben nicht so gut wie Weltklasse-Pianisten), dass es ein Problem der Muskeln war und schlussfolgerten daraus, dass man für schwere Stücke und schnelle Passagen offenbar besonders „kräftige“ Finger brauche. Muskelaufbau mittels Etüden und Fingerübungen war entsprechend ihr Patentrezept für alle Schwierigekeiten.

Doch gleich mehrere Denkfehler und Missverständnisse stehen hinter ihrer Vorstellung und Methode:

  • Klavierspielen ist hauptsächlich eine Aktivität der Finger.
  • Es gibt an sich „schwere Stücke“.
  • Um diese Stücke zu spielen, braucht man „kräftige Finger“.
  • Durch Etüden und Fingerübugen werden die Finger beweglicher.

Heute weiß man es besser.

Forscher beschreiben das Gehirn gerne als neuronales „Netzwerk“, weil alle Strukturen und Prozesse miteinander wechselwirken, sich aufeinander beziehen und trotz aller Gegensätze im Gleichgewicht sind.

Vernetzung und Rückkopplung (Feedback) sind charakteristisch für alle dynamisch komplexen Systeme so wie der menschliche Körper eins ist.

Doch nicht nur das Gehirn, auch unser Körper ist also ein einziges großes Netzwerk.

Um z.B. einen Arm zu bewegen, werden notwendigerweise die verschiedenen psycho-physischen Mechanismen des gesamten Körpers beansprucht. Dasselbe gilt für das Sprechen. Es ist es zwecklos und ineffizient seine Stimme allein durch isolierte Sprech- oder Singübungen beeinflussen zu wollen.

Denn Sprechen ist ein ganzheitlicher Akt...

…an dem Stimmbänder, Lippen, Zunge, Kiefer und der gesamte Atemapparat beteiligt sind. Hinzu kommt der psychische Aspekt, der sich durch Timbre, Diktion, Sprechmelodie, Wortauswahl, Sprechweise (stottern, flüstern, schreien), Artikulation, Gestik usw. äußert.

Darüber hinaus werden wir beim Sprechen auch von unserer Gesamt-Körperhaltung beeinflusst, während diese wiederum unsere Psyche widerspiegelt. Ein scheuer, schüchterner Mensch zieht möglicherweise seine Schultern zusammen und „macht sich klein“, wodurch er seinen Brustkorb verkürzt und flach atmet, was sich direkt auf seine Stimme auswirkt. Zu keiner Zeit könnte man sagen, das Sprechen sei eine rein physische oder rein geistige Handlung.

Forscher konnten ebenfalls zeigen, dass wir über die körperliche Seite unsere Psyche beeinflussen können1 , so z.B. die Laune verbessern, indem wir einige Zeit breit lächeln – auch wenn uns gar nicht danach ist. Der Organismus versucht immer ein Gleichgewicht herzustellen, also wird eben die Stimmung dem Körperausdruck angepasst.2

Merke: Nur durch das Zusammenwirken der verschiedenen psycho-physischen Mechanismen des gesamten Körpers können wir einen bestimmten Körperteil auf bestimmte Weise bewegen und benutzen.

Es mag vom wissenschaftlichen Standpunkt aus sinnvoll erscheinen, einen komplexen Vorgang zu vereinfachen, indem man zunächst einzele Aspekte und Funktionen isoliert betrachtet und ausarbeitet, um am Ende das Ganze aus diesen nun technisch ausgefeilten Einzelteilen wieder zusammenzusetzen.

Das Ganze ist [jedoch] mehr als die Summe seiner Teile.3 Aristoteles

So erwiesen sich beispielsweise alle vereinfachenden Annahmen nach und nach als falsch.4

Beispiele

Teile der sog. „Schrott-DNS“ erfüllen eben doch wichtige Aufgaben, genauso wie Bilddarm, Mandeln und Milz, die man lange Zeit für „unnütz“ hielt.

Dasselbe gilt für die in der Vergangenheit oft unternommenen und immer in ökologischen Katastrophen endenden Versuche in ein Ökosystem einzugreifen, beispielsweise durch Import bestimmter Tierarten, die natürlicherweise an diesen Orten der Erden nicht vorkommen.

Diese Versuche endeten bisher immer damit, dass eine komplette Tierart ausstarb, während eine andere zur Plage wurde.5

In all diesen Fällen wurden Teilbereiche isoliert betrachtet und Rückkopplungen sowie Wechsel- und Nebenwirkungen des Eingreifens in komplexe dynamische Prozesse, wie sie in Ökosystemen und der Biosphäre stattfinden, massiv unterschätzt.

Auch für das Musizieren gilt – die Finger/Hände/Arme isoliert zu betrachten und zu trainieren führt langfristig immer zu gesundheitlichen Problemen, Blockaden und zur Verschlechterung statt zur Verbesserung der Spieltechnik.

Denkfehler Nr. 1 – Beim Klavierspielen geht’s um die Fingerarbeit

Klavierspielen ist keine rein mechanische Aktivität der Finger – sondern umfasst vielmehr die Koordination des gesamten Körpers, insbesondere von Hals, Schultern und Rücken.

Man spielt umso besser Klavier, je besser die Gesamt-Koordination des Körpers ist und nicht, je „stärker“ die Finger sind.

Dieser Meinung waren auch die großen Pianisten, wie Frédéric Chopin, Franz Liszt, Claudio Arrau und Arthur Rubinstein.

„Haltet den Körper geschmeidig bis zu den Fußenden“, sagte Chopin.6 Sand, George

Chopin isoliert die Finger kaum, sie sind wie Ausläufer der Hand. Jean-Jacques Eigeldinger

Meine ganze Lehre soll sich auf das Nichtaushaken irgend eines Gliedes im Gelenk aufbauen, denn nur dann kann die Längslinie durch die ganzen Gliedmassen von der Wirbelsäule bis zur Taste horizontal erhalten werden.7

Es gibt keine Freiheit für irgendein Glied, welche in ihrem Wesen (…) Unabhängigkeit, Trennung ist, wie etwas Fingerbewegung oder Anschlag oder Fallenlassen; denn dies würde unmittelbar Zerstückelung hervorrufen. Und irgendein Glied, das auch nur einen Augenblick aus dem arbeitenden Zusammenhang angewandter Bewegung fällt, vernichtet die arbeitende Harmonie des ganzen Systems.8 Franz Liszt zu Fre­de­ric H. Clark

Denkfehler Nr. 2 – Es gibt an sich schwere Stücke

Bestimmte Stücke gelten als schwer, weil uns schnell die Ausdauer ausgeht, weil die Hände schnell müde werden, weil wir generell mit dem geforderten Tempo oder weiten Sprüngen überfordert sind.

Ist die Ursache für die Probleme tatsächlich der Schwierigkeitsgrad des Stückes – oder liegt es vielleicht an uns selbst, dass es uns so schwer fällt?

Wenn wir Klavierstücke lernen wollen, die wir für „schwierig“ halten, reagieren wir darauf wie bei der Aufgabe, eine schwere Kiste zu heben. Wir spannen jeden Muskel an, halten die Luft an und bereiten uns metal auf einen schweren Akt vor.9

Die ganze Lehrmethode der letzten Jahrhunderte (vor allem der sog. „Russischen Schule“) basierte darum darauf, uns auf solche Stücke mittels Etüden und Fingerübungen „vorzubereiten“. Der Fokus lag deswegen ganz klar auf Ausdauer- und Kraftaufbau.

Wir üben also so lange wir es nur wir es nur aushalten können, die uns vorgesetzten Etüden mit beiden Händen, sehr laut, mit übertriebnenen Bewegungen der Finger und mit übertriebenem Druck in die Tasten.

Was passiert bei so einer Spielweise im Gehirn?

Wie bei allem, was wir wiederholt tun, werden Straßen angelegt und häufig benutzte/wiederholte zu Autobahnen und Schnellstraßen ausgebaut. Kurzum: es werden starke neuro-muskuläre Muster geprägt.

Kennst Du das Experiment „der pawlowsche Hund“? Hier wird ein Hund dazu konditioniert, beim Klingeln einer Glocke Speichel zu bilden. Auf einen gegebenen Reiz folgt eine in diesem Fall konditionierte, automatiserte Reaktion.

Der Straßenbau im Gehirn ist auch eine Konditionierung. Nicht nur ist bereits das Klavier an sich für Klavierspieler ein starker Reiz, der uns sofort eine bestimmte Haltung am Klavier einnehmen lässt – auch jede Übesitzung ist eine Konditionierung des gesamten Bewegungsapparates.

Man erntet, was man sät

Je öfter und länger wir also angestrengt (oder falsch) spielen – umso mehr pflastern wir diese Straße im Gehirn. Am Ende bekommen wir als Ergebnis genau das, was wir auch einüben: Anstrengung.10

Spielen und Üben wir also mit übertriebendem Kraftaufwand – wird das Spielen der geübten Stücke im Nervensystem als mühevoll und kräftezehrend eingespeichert.

Schwer im manuellen Sinne wird das Klavierspielen erst, wenn wir gegen den Widerstand der Tasten und gegen die Widerstände in uns ankämpfen, statt durch frei fließende Bewegungen mit den Tasten zu spielen.11 Helmut Rennschuh,
Klavierspielen, Alexander-Technik und Zen

Denkfehler Nr. 3 – Um gut Klavier zu spielen, braucht man kräftige Finger

Warum glauben wir, dass kräftigere Finger die Lösung für all unsere klaviertechnischen Probleme sind?

Diese Vorstellung hängt vor allem mit dem im letzten Zitat angesprochenen Punkt zusammen: Wir spielen gegen den Tastenwiderstand an statt mit den Tasten.

Was bedeutet das genau?

Wir denken, dass man beim Klavierspielen die Tasten „runterdrücken“ muss. Die haben aber einen gewissen Widerstand – Keyboards haben den z.B. nicht und sind deswegen auch absolut ungeeignet für Anfänger, da sie zwangsläufig zu einer ungesunden Spielweise führen und jeglichen Fortschritt verhindern.

Wir denken weiter, dass kräftigere Finger und stärkere Muskeln uns dabei helfen, diesen Tastenwiderstand zu „überwinden“ (so wie kräftigere Muskeln beim Heben einer schweren Kiste von Vorteil sind).

Was sagen namhafte Pianisten dazu?

Franz Liszt

Liszts gewölbte aber keinesfalls vollkommen flache Finger schienen an den Tasten geklebt und schlugen sie nicht. Bertrand Ott

Die lisztsche Technik hebt die Finger wenig an, da der Kontakt der Fingerkuppen mit der Tastatur konstant bleibt (…).12 Bertrand Ott

Frédéric Chopin

(…) die Tasten mehr reagieren lassen als auf ihnen agieren.13 Jean-Jacques Eigeldinger

Nicht bei einfach zu repetierenden Tönnen die Taste verlassen, nur den Finger sehr weich hochkommen lassen durch die Taste selbst.14 Auguste-Joseph Franchomme

Man muss sozusagen das Klavier kneten mit einer Samthand, und die Taste mehr fühlen als sie anzuschlagen.15 Armand J. Piron

Die Ursache für langsamer und kraftloser werdende Finger beim Klavierspielen ist nicht Mangel an Kraft und Kondition der Finger – sondern die zunehmende Verspannung beim Kampf gegen den Tastenwiderstand.

Statt gegen die Tasten zu drücken empfehlen Pianisten den Finger von der Taste heben zu lassen. Die Finger werden dann vom Gegendruck der Taste bewegt. Das erfordert ein sehr langsames, leises und feinfühliges Spielen – genau das Gegenteil also von dem, was einem Klavierlehrer empfehlen.

Schwere Stellen übt man ihnen zufolge nicht mit maximaler Kraft, sondern mit minimalem Aufwand durch eine angemessene Reaktion des gesamten Nerven- und Muskelsystems.16

Auf diese Weise spürt man selber, dass es keine wirklich „schweren“ Stellen gibt – denn langsam und leise gespielt sind alle Stellen „leicht“.

Große Pianisten beschreiben dieses Gefühl seit jeher mit den Worten „das Klavier spielt von allein“.

Denkfehler Nr. 4 – Viel Bewegung fördert die Beweglichkeit

Die Annahme, dass viel Bewegung die Beweglichkeit fördert ist ein weiterer nicht nur bei Musikern verbreiterter Denkfehler.

Vielmehr ist das Gegenteil der Fall:

Oft wiederholte, anstrengende Bewegungen können die Beweglichkeit von Gelenken stören und großen Schaden anrichten.17

Jede spezifische Bewegung, z.B. die der Finger, hängt in erster Linie von der Gesamtkoordination des Menschen ab, nicht nur der an dieser Bewegung potenziell beteiligten Muskeln. Denn wie bei allen Organismen hängt auch beim Menschen alles mit allem zusammen.

Wenn wir die Beweglichkeit unserer Finger mittels Etüden und Fingerübungen verbessern wollen, ignorieren wir diese Tatsache und tun so, als würden unsere Finger nicht mit unserem Körper verbunden sein und ihre Bewegung sich nicht auf den gesamten Körper auswirken – und umgekehrt.

Große Pianisten haben diesen Zusammenhang natürlich erkannt und betonen seit jeher: dass es beim Üben nicht auf das isolierte Fingertraining ankommt, sondern vielmehr darauf, aufmerksam jede Note zu verfolgen und dabei den Körper als Ganzes nicht zu „vergessen“:

Die Rumpf- und Rückenkräfte geben sozusagen ihre Kraft an die Schulter- und Armmuskeln weiter, und der Arm selbst bleibt, da er nur Kraftvermittler ist, möglichst entspannt. Die so hervorgerufenen Töne klingen nie gedrückt, sondern stets frei und schwebend.18 Elizabeth Caland

Der Arm ist wie eine elastische Bogensehne, eine freischwingende Achse – eine Bogensehne von den Schulterblättern bis zur Fingerspitze.19 Franz Liszt zu Frederic H. Clark

Noch deutlicher wird Liszt in diesen Zeilen an Frederic H. Clark:

Dir war es ja leicht, denn du hast noch nie Fingerübungen gemacht, sondern (…) hast die Arme von dem Rücken aus an die Klaviatur herangebracht und von den Schultern aus ganz naturgemäß gespielt und noch nicht an eine Art Handhaltung oder Fingerübung gedacht.

Das ist auch der richtige Anfang und für dich von großem Vorteil, denn es bleibt die einzige, wahre Basis.20

Liszt bereicherte die Klaviertechnik nämlich nicht durch seine Etüden, sondern durch „die Ausweisung des Spiels auf den ganzen Arm unter aktiver Mitwirkung der Schulter und des Rückens„, so Bertrand Ott21

Liszt befreite die Klaviertechnik von den Fesseln der „ruhigen Hand, starre Finger“ Schule. Sein herrlicher Körpermechanismus, kontrolliert von einer nahezu perfekten Koordination, wird vollständig genutzt, um musikalischen Zielen zu dienen.22 Karl Halle

Ist nämlich der Kopf, das Becken, der Brustkorb, die Schultern oder die Wirbelsäule angespannt, eingeklemmt oder verspannt – also die Gesamt-Koordination gestört – ist die generell vorhandene Bewegungsfreiheit der Schultergelenke, Ellenbogen, Handgelenke und der einzelnen Fingergelenke eingeschränkt und unser natürliches Reflexsystem blockiert.

Wir sind dann gezwungen, die blockierte Bewegungsfreiheit durch erhöhten Kraftaufwand zu kompensieren.

Chopin betrachtete wie Liszt die Fingerbewegungen nicht losgelöst von Arm und Schulter.

Nur ein bewegliches und freies Handgelenk ermögliche es den Fingern in einer ungezwungenen, freien Bewegung die Töne „aus dem Instrument zu ziehen“ statt sie anzuschlagen.23

Der Scheideweg

Jeder Klavierspieler, der es ernst meint, kommt irgendwann einmal an den Punkt, an dem mit Kraft und Härte kein Fortschritt mehr zu erzielen ist.

Er hat dann zwei Möglichkeiten: versuchen, über den kritischen Punkt hinaus noch weiter zu verhärten, was zu Verletzungen führt (wie Muskelverhärtung und Sehnenscheidenentzündung), oder er geht den umgekehrten Weg: er lässt los.

Dabei findet eine Verschiebung des Fokus statt: von der Quantität – also vom zielfixierten üben, angestrengtem Bemühen und Übepensum als Kriterium, zur Qualität: auf welchem Weg erreiche ich mein Ziel.

Alle Klavierspieler, die es auf die Musik-Hochschule geschafft haben, haben den zweiten Weg gewählt. Auch bei uns war es so.

Lernen durch Neu-Konditionierung

Dieser zweite Weg erfordert in erster Linie eine komplette Umerziehung des Denkens.

Da sie sich der Fehler, die sie begehen, gänzlich unbewusst sind, müssen sich wahrscheinlich viele Studenten einer vollständigen Umerziehung zwecks richtiger Ausnützung ihrer Fähigkeiten unterziehen.

Erst wenn man sich in diese Arbeit vertieft hat, erkennt man, wie sehr der Großteil der Menschen nicht in der Lage ist, seine in ihnen schlummernden Fähigkeiten voll auszunützen.24 Raymond Thilberge, blinder Klavierpädagoge

Statt gewohnheitsmäßig das Ziel anzusteuern – geht es nun darum, sich auf den Prozess einzulassen. Die Mittel zu hinterfragen, mit denen wir daran arbeiten, ein guter Klavierspieler zu werden. Die ganze Aufmerksamkeit muss sich auf das hier und jetzt richten:

  • Wie atme ich,
  • wie sitze ich,
  • was spüre ich,
  • ist der Arm frei,
  • wo halte ich fest,
  • wo verspanne ich mich,
  • übe ich zu viel Druck aus,
  • halte ich meine Handgelenke fest oder sind sie durchlässig,
  • bewege ich aktiv die Finger
  • oder lasse ich sie von den Tasten heben,
  • bin ich geistig anwesend oder sind meine Gedanken wo anders?
  • usw.

Es ist ein langer Weg seine Gewohnheiten zu ändern und funktioniert nur über eine Neu-Konditionierung.

Wenn wir z.B. eine bessere Haltung annehmen wollen, weil wir vom krummen Sitzen verspannt sind, dann nützt es wenig, sich willkürlich aufzurichten und sich aktiv darum zu bemühen, indem wir die Schultern zurückdrücken, den Brustkorb nach oben schieben und den Hals recken.

Das ist der Versuch, einer „schlechten“ Gewohnheit eine neue „gute“ drüberzustülpen.

Dieser direkte Weg eingefahrene Bewegungsmuster zu ändern funktioniert aber nicht, sondern führt nur zu neuen Spannungsmustern. Man ist zwar jetzt nicht mehr krumm, aber dafür steif. Die Muskeln ermüden schnell und bald hat mein wieder seine gewohnte Haltung angenommen.

Wie sollte man dann Gewohnheiten ändern?

Heinrich Jacoby hat jahrelang so genannte Begabte beobachtet und konnte in Kursen mit so genannten Unbegabten und in Kursen mit Erwachsenen seine These belegen, dass das, was uns als Begabung erscheint „durch eine natürliche, ungestörte und angemessene Reaktion auf gewisse Aufgabenstellungen entsteht„.25 In diesem Sinne sagte auch Frederick M. Alexander:

Für unser Beispiel mit dem Wunsch seine Körperhaltung zu verändern, bedeutet das:

Das Aufrichten der Wirbelsäule geschieht natürlicherweise ganz von allein, sofern unser Nerven- und Muskelsystem die automatische Aufrichtung der Wirbelsäule gegen die Schwerkraft nicht aufgrund schlechter Gewohnheiten behindert bzw. stört.

Besonders eindrücklich lässt sich das an Kleinkindern beobachten.

Wenn wir lernen, Verspannungen bewusst wahrzunehmen, innezuhalten und sie loszulassen, wird sich als Folge davon der Körper von selbst aufrichten bzw. eine Bewegung auf natürliche, d.h. effiziente und ökonomische Weise ausführen.

Wenn wir unsere Haltung also langfristig verbessern möchten, dann heißt es, dass wir z.B. unseren Kopf nach vorne und oben und unseren Hals frei „denken“ (passiv – Nicht-Tun), statt uns die Anweisung zu geben ihn zu „entspannen“ (aktiv – Tun).

Die Haltung wird sich verbessern, weil wir die für diese Bewegung von der Natur nicht vorgesehenen Muskeln, die wir aber für gewöhnlich für diese Bewegung nutzen (äußere Muskulatur) loslassen und stattdessen die für die Aufrichtung vorgesehenen und nun nicht mehr blockierten Muskeln wieder übernehmen können (innere Muskulatur).

Das fühlt sich dann so an, als wäre man plötzlich federleicht und würde nach oben schweben, statt sich vom Boden wegzudrücken.

Was bedeutet das für das Klavierspielen?

Sowohl bei schlechter Haltung als auch beim Klavierspielen ist nicht mangelnde Muskelkfraft das Problem, sondern schlechte Gewohnheiten.

Statt durch Muskeltraining die nicht alltäglichen Bewegungen am Klavier zu erlernen, geht es darum, die im Muskel- und Nervensystem angelegten natürlichen und reflexartigen Mechanismen für das Klavierspielen zu nutzen.26

Das geschieht zuerst durch Umdenken.

  • Zum einen, indem wir uns bewusst machen, dass es keine spezifisch pianistischen Bewegungen gibt. Das bedeutet, dass Klavierspielen nicht schwerer für unsere Hände zu realisieren ist als Essen für unsere Zunge (ohne draufzubeißen).
  • Zum anderen dadurch, dass wir uns bewusst machen, dass es schwere Stücke an sich nicht gibt. Unsere Vorstellung von einem schwierigen Stück würde uns sonst gewohnheitsmäßig den ganzen Körper anspannen lassen und dadurch natürliche, freie Bewegungen der Finger blockieren.

Als zweiter Schritt folgt das Loslassen bzw. „Nicht-Tun“.

Die Anweisung, etwas nicht zu tun kennt man aus dem Zen und es bedeutet keineswegs gar nichts zu tun, sondern falsche oder ungünstige Gewohnheiten zu „unterlassen“.

Wenn wir z.B. alte Stücke spielen wollen, dann stellt das einen großen Reiz dar, der eine gewohnte, automatische Reaktion auslöst. Haben wir es früher mit viel Kraft gespielt, spannen sich unsere Finger an, wenn wir nur daran denken es zu spielen.

Sich einfach vozunehmen sich hinzusetzen und es jetzt „anders“ zu spielen – weniger angespannt, mit weniger Kraft usw., wird nicht funktionieren.

Die neuro-muskulären Muster sind zu fest im Gehirn verankert und man wird schneller als einem lieb ist wieder in alte Gewohnheitsmuster zurückgezogen.

Der Weg zu mühelosem Klavierspiel

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen gibt es nur einen Weg:

Leise und langsam spielen.

Und zwar Takt für Takt, Note für Note. Nicht schlampig oder irgendwie – sondern mit voller Aufmerksamkeit. Lässt sie nach, sollte man sofort aufhören zu spielen, es wäre Zeitverschwendung.

Der Weg ist das Ziel.

„Strengt euch bei einer Schwierigkeit nicht an“ riet Chopin, „aber spielt geschmeidig und langsam, denn zweifellos ist das ein versteckter Schatz, den Ihr entdecken werdet. Powoli bardzo (sehr langsam).27 V. Gille

Wenn man neues Stück lernt oder ein altes auf leichte Art wieder erlernt, dann lernt man durch langsames und leises Üben die Hand sofort nach jeder kleinen Bewegung zu lösen, loszulassen.

Auf diese Weise lässt ist die Muskulatur am Ende des Stückes genauso frisch wie beim ersten Takt.

Langsam konditionieren wir das mühelose Klavierspiel, lernen, uns auf unsere uralten Reflexsysteme auch beim Klavierspielen zu verlassen und werden eins mit dem Instrument statt dagegen anzukämpfen.

Zusammenfassung

Alles hängt mit allem zusammen

Wir haben gelernt, dass es beim Klavierspielen auf die Gesamt-Koordination ankommt und man die Bewegungen der Finger nicht isoliert betrachten kann.

Wenn wir unbalanciert sitzen, nicht atmen oder die Schultern hochziehen und anspannen – dann wirkt sich das auf die Gesamt-Koordination aus.

Versuchen wir, die fehlende Koordination durch Muskelkraft auszugleichen, wird das Spielen sehr mühsam und unsere Hände ermüden schnell.

Nur Alchemisten können das Eine nehmen und etwas Anderes erhalten.

Wir haben auch gelernt, dass man mit „harten“ Spielmethoden nicht zu einem mühelosen und „weichen“ Klavierspiel kommen kann.

Stücke, die wir nur unter Aufbringung all unserer Kraft üben, werden wir auch nur unter Aufbringung all unserer Kraft spielen können.

Alte Lehrmethoden verfehlen ihr Ziel

Wir haben festgestellt, dass es eine deutliche Diskrepanz zwischen dem Ziel gibt, das Lehrer und Klavierspieler mit isolierten Fingerübungen und Etüden erreichen wollen und dem gewünschten Ergebnis.

Um aus dem Teufelskreis angestrengten Spielens auszubrechen, muss man seine volle Aufmerksamkeit auf den Prozess richten – auf das wie man übt und spielt.

Nämlich langsam, leise und sehr konzentriert.

Durch Neu-Konditionierung ungünstige Gewohnheiten auflösen

Indem man stets langsam und leise übt lernen Hand, Arm und Finger in harmonischer Weise mit minimalem Aufwand und minimalen Wegen die weiten Strecken auf der Tastatur zurückzulegen.

Man lernt dadurch auch, nicht in alte, ungünstige Gewohnheiten zurückzufallen und bei neuen, vermeintlich schweren Stücken, dem Reiz zu widerstehen, sich (wie gewohnt) übermäßig anzustrengen.

Die natürlichen Bewegungsabläufe nicht stören (Nicht-Tun) und so mit minimalem Energie- und Kraftaufwand spielen

Wir haben auch gelernt, dass es schwere Stücke an sich nicht gibt, sondern sie eine Herausforderung an die Koordination darstellen, die wir nur durch langsames und leises Üben meistern können, nicht aber durch Kraft.

Unseren Schülern sagen wir von Anfang an, dass sie nicht zielfixiert ein Ergebnis ansteuern sollen – was zwangsläufig zu angestengtem Üben führt – sondern stattdessen

  • Von Anfang an mit getrennten Händen, langsam und leise üben sollen.
  • In sich Hineinfühlen, Verspannungen bewusst wahrnehmen und loslassen, sobald sie merken, dass sie fest werden.
  • Die Finger nicht bewusst führen und kontrolliert setzen sollen, sondern natürlich, d.h. reflex- und feedback-gesteuert.
  • Die Finger nicht zu heben, sondern so weit es geht den Tastenkontakt beizubehalten und sie von der Taste heben zu lassen anstatt sie runterzudrücken.

Wenn man auf diese Weise Klavier übt und spielt, dann werden die Übesitzungen intensiver – aber auch kürzer.

Die Fortschritte werden in jedem Fall gewaltig sein!

Wenn man die Chance hat, dann sollte von Anfang an „richtig“ spielen lernen und sich den Umweg über unbewusstes, zielfixiertes Üben sparen – denn das Umlernen ist ein langwieriger Prozess.

Mit unserem Blog wollen wir nicht vorbelastete Anfänger, genauso wie verzweifelte Klavierspieler dabei unterstützen eine freie und mühelose Klaviertechnik zu entwickeln (bzw. sie freizulegen).

Jetzt bist du dran!

Wenn Du es bis hierher geschafft hast, dann meinst Du es mit dem Klavierspielen wirklich ernst!

➜ Ich möchte, dass Du Dich jetzt gleich ans Klavier setzt, ein paar Mal tief durchatmest und „ankommst“ – und den ersten Takt des Stücks, das Du gerade lernst, mit getrennten Händen, leise und sehr sehr langsam und bewusst spielst.

Versuche dabei nichts zu wollen, kein Ziel anzusteuern, sondern Deine Hand auf die Tastatur zu legen und die Finger von der Taste heben zu lassen und zu beobachten, was beim Spielen alles passiert.

Wie hat sich das angefühlt?

Spiele das Stück danach nicht mehr, sondern erst morgen wieder. Mache dasselbe: langsam und leise spielen und es dann ruhen lassen bis zum nächsten Tag.

Spiele es am dritten Tag in normalem Tempo und auch mal mit beiden Händen zusammen. Spürst Du einen Unterschied? Fühlt es sich anders an? Teile Deine Erfahrungen mit uns!

Ich freue mich auf Deinen Kommentar! 🙂

  • Margarita Gross | PianoTube

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Quellen

  1. The Surprising Way That Simple Actions Can Change Your Mind. New research reveals how your hands and face influence your opinions, aufgerufen am 06.03.15. []
  2. [Focus | 35 (2012)] Gezielte Übungen polen das Gehirn auf „gute Laune“ um, aufgerufen am 06.03.2015. []
  3. Wikipedia – Synergie, aufgerufen am 1.03.2016. []
  4. Ulrich und Johannes Frey: Fallstricke. Die häufigsten Denkfehler in Alltag und Wissenschaft, S.56ff. []
  5. Vgl. Ebd. []
  6. Rennschuh, Helmut: Klavierspielen, Alexander-Technik und Zen. Frei von störenden Mustern die Musik geschehen lassen, 2001, S. 94. []
  7. Ebd., S. 91. []
  8. Ebd. []
  9. Ebd., S. 21. []
  10. Ebd., S. 18. []
  11. Ebd. []
  12. Ebd., S. 88. []
  13. Ebd., S. 99. []
  14. Ebd. []
  15. Ebd. []
  16. Ebd., S. 42. []
  17. Kratzert, Rudolf: Technik des Klavierspiels. Ein Handbuch für Pianisten, 2002, S. 24. []
  18. Ebd, S. 105. []
  19. Ebd., S. 90. []
  20. Ebd., S. 89. []
  21. Ebd., S. 87. []
  22. Ebd. []
  23. Ebd., S. 93. []
  24. Ebd., S. 107. []
  25. Ebd., S. 22. []
  26. Ebd., S. 20. []
  27. Ebd., S. 39. []

7 Kommentare

  1. Hal­lo!
    Gra­tu­la­ti­on zu die­ser Home­page! Könn­te ich den In­halt von „We­ge zu ei­ner na­tür­li­chen Spiel­wei­se“ als PDF-​Datei er­hal­ten?
    LG
    An­ton

    • Hal­lo An­ton,

      lei­der ist mo­men­tan kei­ne PDF-​Version der Ar­ti­kel ge­plant.

      Du kann­st dich je­doch rechts oben in den News­let­ter ein­tra­gen, und so Mit­te Ok­to­ber ’15 ein kos­ten­lo­ses eBook zum The­ma Kla­vier­tech­nik in de­in Mail-​Postfach er­hal­ten. 🙂

      Be­s­te Grü­ße,
      Mar­ga­ri­ta

  2. Hal­lo Mar­ga­ri­ta,
    was Du sagst und schreib­st, so­weit so gut, nicht fal­sch, aber lei­der auch nicht voll­stän­dig. Das Pro­blem ist, die­je­ni­gen, die das Kla­vier ge­baut ha­ben kom­mu­ni­zie­ren nicht mit den­je­ni­gen, die es spie­len und um­ge­kehrt. Die meis­ten Her­stel­ler ei­nes Ge­rä­tes lie­fern zum Ge­rät ei­ne Ge­brauchs­an­lei­tung mit. Ein Kla­vier­bau­er tut das nicht. Er la­gert die Ge­brauchs­an­lei­tung aus, an Musik- und Mu­sik­hoch­schu­len. Da hat si­ch ei­ne ganz ei­ge­ne Kul­tur der Kla­vier­tech­nik ent­wi­ckelt und zwar hat je­der Kla­vier­leh­rer sei­ne ei­ge­ne Tech­nik. Er­staun­li­ch fin­de ich da­bei, daß si­ch auch über die Jahr­hun­der­te der An­schlag als fes­te Grö­ße sei­nes Kön­nens ma­ni­fes­tiert hat. Gan­ze For­schungs­ar­bei­ten wur­den da­zu ver­fasst. Da­bei kann man mit dem Ham­mer, der für den An­schlag ver­ant­wort­li­ch ist, wirk­li­ch nur zwei Sa­chen be­ein­flus­sen: den Zeit­punkt des Auf­tref­fens auf der Sai­te und mit wel­cher Ge­schwind­keit er dort auf­trifft wo­bei ein schnel­le­rer Ham­mer na­tür­li­ch auch eher auf die Sai­te trifft. We­sent­li­ch hier­bei ist zu­sätz­li­ch no­ch, daß ich ab ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt oder durch die Me­cha­nik be­grün­det, ab ei­ner be­stimm­ten Stel­le kei­ner­lei Ein­fluss auf das Ge­sche­hen ha­be. Al­so kurz vor dem Auf­tref­fen sind die­se bei­den In­for­ma­tio­nen in dem Ham­mer ge­spei­chert. Aber eben auch nur die­se bei­den In­for­ma­tio­nen. Nein, der Ham­mer wird nicht kräf­ti­ger, er wird auch nicht wei­cher oder här­ter, er ist nur schnell oder lang­sam und hat ei­ne Ge­schwin­dig­keits Ab­hän­gi­ge be­stimm­te ki­ne­ti­sche En­er­gie, mit der aus­schließ­li­ch die Laut­stär­ke be­stimmt wird. Das wars für den An­schlag. Aber jetzt kommt das In­ter­es­san­te: die Tas­te wird ja auch ir­gend­wann wie­der los­ge­las­sen. Jetzt kommt der Dämp­fer zum Zu­ge. Und dar­über ma­chen si­ch die we­nigs­ten Pia­nis­ten „ei­nen Kopf“. Da­bei ha­be ich, an­ders als beim Ham­mer, jetzt mit der Kla­vier­tas­te die vol­le Kon­trol­le über die­ses me­cha­ni­sche Bau­teil. Was ich kon­trol­lie­re, bei In­ter­es­se spä­ter oder selbst über­le­gen. Was ich auf­zei­gen woll­te: die meis­ten Pia­nis­ten sind si­ch nicht dar­über be­wusst, was sie da ei­gent­li­ch ma­chen bzw. ma­chen müss­ten. Das führt dann eben zu fal­scher Hal­tung und Krampf!

  3. Hal­lo Mar­ga­ri­ta,
    ich ha­be eu­re Sei­ten sehr ge­nos­sen. Aber ich ha­be doch er­fah­ren, dass Übun­gen zum Kräf­ti­gen der Fin­ger recht nütz­li­ch sind – nicht zwecks Über­win­dung des Tas­ten­wi­der­stan­des (der fast auf je­dem In­stru­ment an­ders ist) son­dern um mei­ne wohl­pen­sio­nier­ten Kat­zen­pföt­chen in­ner­halb von drei Jah­ren da­zu zu brin­gen, re­gel­mä­ßig mehr als ein Sext zu grei­fen. Das Übungs­ge­rät da­zu war al­ler­dings mei­ne Gar­ten­sche­re (sehr zum Leid­we­sen der be­trof­fe­nen Sträu­cher). Und ich kann mi­ch auch nicht mit der An­mer­kung ab­fin­den (weiß nicht mehr wo) dass si­ch „Übungs­zei­ten ver­kür­zen“. Will ich das denn?
    LG
    Edith

  4. Ein wirk­li­ch sehr gu­ter Ar­ti­kel. Ich fin­de die ganz­heit­li­cher Be­trach­tung wirk­li­ch sehr gut. Macht auch al­les Sinn. Ich setz mi­ch di­rekt mal ans Kla­vier 😀

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