5 Fehler beim Sitzen am Klavier

Während es im Beitrag Machst du diese Fehler beim Sitzen am Klavier? (+Checkliste) um Grundsätzliches zum Thema Sitzen am Klavier ging, möchte ich hier auf die häufigsten Fehler eingehen.

Natürlich kann man im Prinzip sitzen wie man will – doch wie immer geht es uns darum, wie man mit dem geringstmöglichen Krafteinsatz sein Ziel, nämlich die Verwirklichung einer Klangvorstellung am Klavier erreicht.

Sitzpositionen, die Dein Klavierspiel negativ beeinflussen

1.Zu hoch oder zu tief sitzen

5 Fehler beim Sitzen - Nr.1a zu hoch sitzen | PianoTube

Probleme beim zu hohen Sitzen:

  • Die Arme hängen quasi „in der Luft“;
  • der Ellbogen befindet sich weit über dem Handgelenk;
  • die Kraft kann aufgrund dessen nicht adäquat in die Tasten übertragen werden

Diese diese Punkte verhindern, dass das Armgewicht voll wirken kann. Das hat zur Folge, dass man das fehlende Armgwicht durch höheren Krafteinsatz bei der „Fingerarbeit“ zu kompensieren sucht.

Das wiederum führt schnell zur Ermüdung der Finger und Hände und macht so besonders das schnelle Spiel zur Qual.

5 Fehler beim Sitzen - Nr.1b zu tief sitzen | PianoTube

Probleme beim zu tiefen Sitzen:

  • verleitet dazu, die Schultern hochzuziehen;
  • steifer Hals und Oberkörper;
  • die Bewegungsfreiheit ist stark eingeschränkt.

Wenn man zu tief sitzt, neigt man dazu, zum Ausgleich die Schultern hochzuziehen, wodurch die Kraftübertragung in die Tasten behindert wird.
Durch das Festhalten der Schultern die Bewegungsfreiheit eingeschränkt, sodass man für jede nötige Ausbalancierung extra Kraft aufwenden muss. Das Klavierspielen ebenso wie unser Körper wird angestrengt und fest.

2.Zu nah dran oder zu weit weg sitzen

5 Fehler beim Sitzen - Nr.2a zu zu nah dran sitzen | PianoTube

Ursache:

  • eventuell der Wunsch, die Tasten besser zu spüren;
  • das Gefühl, man hätte so mehr Kontrolle beim Spielen.

Probleme, wenn man zu nah an der Klaviatur dran sitzt:

  • linke Hand ist in höheren Oktaven, rechte Hand in tieferen Oktaven nicht mehr parallel zu den Tasten;
  • allgemein mangelnde Bewegungsfreiheit in allen Lagen.

Sitzt man zu nah am Klavier, kann man auch nicht frei spielen, weil man schlicht nicht an alle Tasten drankommt, ohne sich zurücklehnen zu müssen.

5 Fehler beim Sitzen - Nr.2b zu weit weg sitzen | PianoTube

Probleme, wenn man zu weit weg von der Klaviatur sitzt

Sitzt man zu weit von der Klaviatur entfernt, kann wieder zu wenig Armgewicht wirken und wie schon bei Punkt eins, wird man es kompensieren, indem man mit zu viel Kraft spielt.

3.Beim Spielen den Rücken durchdrücken

5 Fehler beim Sitzen - Nr.3 Den Rücken durchdrücken| PianoTube

Ursache:

  • der Versuch, „gerade“ zu sitzen.

Probleme, wenn man beim Sitzen den Rücken durchdrückt:

  • man sitzt auf den Oberschenkeln statt auf den Sitzhöckern;
  • die Wirbelsäule ist in keiner natürlichen, von der Schwerkraft initiierten Position;
  • hohe Muskelspannung, die wiederum die Beweglichkeit aller umliegenden Gelenke einschränkt und dadurch eine gute Kraftübertragung in die Tasten behindert

Wenn man beim Sitzen den Rücken durchdrückt, geht schon einmal viel Energie dadurch verloren, dass man sich in der Sitzposition aktiv halten muss.

Andersherum ist der Vorteil auf seinen Sitzhöckern zu sitzen, dass man nichts „tun“ muss und keinerlei Energie für das bloße Sitzen aufwenden muss.

Man lässt sich einfach auf die Sitzhöcker fallen und „ruht“ auf ihnen ohne zusätzlichen Kraft- und Energieaufwand wie eine Waage, die sich im Gleichgewicht befindet.

Das ausbalancierte Sitzen ist außerdem die Voraussetzung dafür, dass man „aus dem Rücken heraus“ spielen und das Armgewicht optimal wirken kann.

4.Sich in Richtung Klavier krümmen

5 Fehler beim Sitzen - Nr.4 Sich Richtung Klavier krümmen | PianoTube

Probleme, wenn man sich beim Spielen in Richtung der Klaviatur krümmt:

  • unbalanciertes Sitzen;
  • Spielen mit unnötig viel Kraft;
  • Mangelnde Bewegungsfreiheit;
  • erschwerte Atmung.

Krümmt man sich beim Spielen in Richtung der Klaviatur, so ruht man nicht auf seinen Sitzhöckern. Die angestrengte Sitzweise führt dazu, dass man beim Spielen schnell ermüdet.

Schließlich muss man das nicht wirken könnende Armgewicht durch einen höheren Krafteinsatz kompensieren.

Darüber hinaus ist durch eine besonders gekrümmte – und angestrengte – Spielweise auch die Atmung beeinträchtigt, was den Stress beim Spielen zusätzlich erhöht.

5.Beim Spielen die Schultern hochziehen

5 Fehler beim Sitzen - Nr.5 Die Schultern hochziehen | PianoTube

Ursache:

  • zu tiefes Sitzen, Winkel vom Unterarm zum Oberkörper unter 90 Grad
  • technisch anspruchsvolle Stelle;
  • schneller spielen wollen als man kann.

Probleme:

  • hohe Spannung im Nacken und in den Schultern
  • eingeschränkte Bewegungsfreiheit;
  • angestrengte Spielweise.

Spielt man mit hochgezogenen Schultern ist das die schlechteste Basis, von der aus man sein Klavierspiel starten kann.

Niemand würde auf die Idee kommen, beim Gehen permanent die Arme hoch zu halten – weil es einfach ziemlich anstrengend ist. Beim Klavierspielen jedoch fällt es vielen nicht einmal auf, wenn sie mit dieser Spannung in den Schultern spielen!

Die Muskelspannung überträgt sich aber auf Arme, Finger und strahlt auch in den Nacken und Rücken aus. Die Folge ist, dass man beim Spielen geradezu gegen die Klaviatur ankämpft.

Fazit

Wie im Beitrag Machst du diese Fehler beim Sitzen am Klavier? (+Checkliste) beschrieben, ist die Basis einer virtuosen und mühelosen Klaviertechnik die höchstmögliche Beweglichkeit und Durchlässigkeit aller Gelenke.

Es geht beim Klavierspielen im Grunde immer darum, zunächst alles zu unterlassen, was die Bewegungsfreiheit einschränkt.

Auch und gerade beim Sitzen.

Bereits eine geringe Abweichung vom Gleichgewichtszustand löst eine Kettenreaktion aus, die in der Einschränkung der Finger-, Hand- und Armbeweglichkeit mündet, die man dann nur noch mit weiterem, entgegengesetzten Krafteinsatz kompensieren kann – was das Klavierspielen letzten Endes insgesamt mühsam und anstrengend macht.

So vermeidet man Sitzfehler von Anfang an

1.Balanciert auf seinen Sitzhöckern sitzen – damit sich der Oberkörper im Gleichgewicht befindet.

2.Die Schultern gelöst hängen lassen.

3.In optimaler Entfernung sitzen – der Winkel vom Unterarm zum Oberkörper beträgt etwas über 90 Grad.

4.Nicht zu tief oder zu hoch sitzen: Die Ellbogenspitze befindet sich auf einer Linie oder besser ein kleines Stück über dem Handgelenk.

5.Die Muskeln nirgendwo verkürzen – also z.B. die Schultern nicht hochziehen, sich nicht krümmen oder wegstrecken, sich nicht aktiv gerade halten, Kopf und Hals balancieren entspannt auf Sitzhöckern und Kopfgelenk.

Jetzt bist du dran!

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  • Anton Ratsimar | PianoTube

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2 Kommentare

  1. Hal­lo An­ton, so sehr ich die „5 Feh­ler“ nach­voll­zie­hen kann, so we­nig kann ich er­ken­nen, wie es denn nun „rich­tig“ ist – was Sitz­hö­he und Ab­stand be­trifft. Der Un­ter­arm ist ja nun­mal ein ko­ni­sches Ge­bil­de, d. h. „Un­ter­arm auf Hö­he der Hand“ meint „Ober­kan­te Un­ter­arm“ oder „Un­ter­kan­te Ober­arm“? Da lie­gen lo­cker vier/​fünf cm Dif­fe­renz drin. Was den rich­ti­gen Ab­stand be­trifft: Macht evtl. Sinn, die­sen über die Hal­tung des Ober­arms beim Spiel in Kla­vier­mit­te zu de­fi­nie­ren, z. B. senkrecht/=parallel zum Ober­kör­per?

    • Hal­lo Ste­phan,

      dan­ke für dei­nen Kom­men­tar!

      Be­züg­li­ch der Sitz­hö­he: Ich hal­te ei­ne Hö­he für emp­feh­lens­wert, bei der die Ell­bo­gen­spit­ze et­was über der Hand liegt.

      Be­züg­li­ch der Ent­fer­nung zur Kla­via­tur hast du recht, es im Ver­hält­nis zum Ober­kör­per zu se­hen ist prak­ti­ka­bel. Ich wür­de emp­feh­len, so weit ent­fernt zu sit­zen, dass der Ober­arm et­was vor dem Ober­kör­per ist, nicht par­al­lel zum Ober­kör­per.

      An­ton 🙂

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